MARTINA GEIST

„auf Messers Schneide“ | Holzschnitte, Holztafeln & Objekte

 

Einführung: Clemens Ottnad M.A., Geschäftsführer des Künstlerbundes Baden Württemberg

 

Ausstellungsdauer: 25. Januar bis 08. März 2015

Wenn wir Martina Geists jüngste Werke unter dem Titel Zeitlupe zusammenfassen, dann lenkt dies das Augenmerk auf die künstlerische Gestalt von Bewegung, auf die Darstellung von Raum und Zeit. Martina Geists Holzschnitte stellen nach wie vor Stillleben dar, wir erkennen Stühle und Tische, Früchte und Gläser, das klassische Motivrepertoire. Aber Dinge wie der Raum sind in Bewegung begriffen: das Glas fällt um und Wasser ergießt sich über die Fläche des Tisches, der sich im Bildformat und darüber hinaus ausdehnt und in dieser Bewegung in kubistischer Manier mehrere Ansichten, Perspektiven in Anspruch nimmt. Die Stühle schweben im Raum, nichts liegt einfach nur da, wie es sich für ein konventionelles Stillleben gehört. Geschwindigkeit ist nicht nur in den in Bewegung begriffenen Dingen zu spüren, sondern lässt sich auch in den Linien und Formen erfahren, die den Bildraum ausmachen. Mit Nachdruck komponiert Martina Geist ihre Kompositionen als dynamische Gefüge. Aufgrund der Abstraktion ihrer Darstellungen konzentrieren sich in den Formen, in den Linien, in der spannungsvollen bildräumlichen Kommunikation der Bildelemente die Bewegungsmomente des Kippens, des Fließens, der Dehnung oder Verdichtung, die wie in extremer Zeitlupe verharren. In Reihen erschließt sich die Künstlerin die Bewegung ihrer Motive wie ihrer bildnerischen Mittel. In den Motiv-Variationen hält sie die Bewegungen und mithin das Thema der Geschwindigkeiten fest.

Die Holztafeln, von denen es in der Regel nur einen Druck gibt, behaupten ihre Eigenständigkeit und Bedeutung als farbig gefasstes Relief. Der Holzschnitt wird zum zur Skulptur tendierenden Tafelbild. Martina Geist ist weiter unterwegs, die bildnerischen Möglichkeiten des Holzschnitts zu entwickeln und sich eine Bildwirklichkeit zu erschließen, die in den Ausschnitten andeutet, welchen weit gedachten und dynamischen Raum sie für die Wahrnehmung zu eröffnen sucht.

Aus: Werner Meyer, in: Martina Geist – Zeitlupe. Freiburg 2014, S. 5.

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